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Der Räuber Mathias Kneißl

Die Woch' fangt ja scho guad o...

Mathias Kneissl bei der Gerichtsverhandlung...soll der Räuber und Wildschütz Mathias Kneißl am Monatg, dem Tag seiner Hinrichtung gesagt haben.

Hört man den Namen Mathias Kneißl, denkt man an Unterweikertshofen und Sulzemoos.

Mathias Kneißl ist hier in Unterweikertshofen am 12. Mai 1875 in der Gastwirtschaft zur Welt gekommen. Er war das fünfte von insgesamt elf Kindern, hiervon starben jedoch fünf im frühesten Kindesalter. Zu seinen jüngeren Geschwistern Alois und Katharina hatte er eine besonders enge Beziehung.

Die Zeit in Unterweikertshofen

Mathias Eltern, der Müller und Schreinergehilfe Mathias Kneißl und seine Frau Therese Kneißl, geborene Pascolini, bekannt als die Pachkaline-Res, betrieben die Bierwirtschaft in Unterweikertshofen. Da der Ruf der Gastwirtschaft im Laufe der Zeit schlechter wurde, blieben die Dorfbewohner als Gäste weg. Stattdessen kamen zwielichtige Gestalten von auswärts. Gerüchte wurden laut, dass mit gewildertem Fleisch und Hehlerwaren gehandelt wurde. Auch Mathias und sein Bruder Alois beteiligten sich an der Wilderei und konnten herrvorragend mit einem Jagdgewehr umgehen.

Das Schulkind Mathias Kneißl

Leider verhielt es sich mit den schulischen Leistungen genau umgekehrt. Der damalige Lehrer bezeichnete den neunjährigen Mathias als äußerst unwillig und unfolgsam. Er hielt es für besser den Buben in einer Besserungsanstalt unterzubringen, denn dadurch gelänge es vielleicht, ihn noch zu retten. In einer Beurteilung über ihn steht zu lesen:

...versteht jetzt schon die Harmonika besser zu handhaben, als das Lesebuch und spielt zur Belustigung und Vergnügen der Großen auf. Das kann doch gewiss keine gute Erziehung genannt werden...

Der Umzug in die Schachermühle

Schließlich verkauften die Kneißls das Wirtshaus und zogen 1886 in die einsam gelegene Schachermühle bei Sulzemoos um. Mit 16 Jahren wurde Mathias dann das erste Mal eingesperrt, weil man ihn als Opferstockdieb verdächtigte.

Die Kinder sind auf sich alleine gestellt

Nachdem sein Vater beim Abtransport durch die Polizei 1892 verstarb, ging er mit seinem Bruder auf Raubzüge. Seine Mutter wurde zwei Jahre später wegen Hehlerei zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Nun waren die Kinder völlig auf sich allein gestellt, denn das zuständige Bezirksamt Dachau kümmerte sich in keiner Weise.

Die zweite Verhaftung

Im Jahr 1893 wurde Mathias Kneißl zum zweiten Mal verhaftet. Sein jüngerer Bruder Alois hatte bei einem Festnahmeversuch einen Polizisten angeschossen und starb nach vier Jahren im Zuchthaus an Schwindsucht.

Ein hartes Urteil

Mathias wurde zu fünf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Das harte Urteil gegen Mathias stieß allgemein auf Unverständnis, da ja nicht er, sondern sein Bruder geschossen hatte.

Der Traum vom "ehrbaren" Leben

Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis am 28. Februar 1899, war er körperlich und seelisch stark gezeichnet. Daher fasste er den Entschluss seine wilden Jugendjahre hinter sich zu lassen und als ehrbarer Schreiner ein neues Leben zu beginnen.

Ein Münchner Schreinermeister war sogar bereit ihn einzustellen, doch die Stadt München verweigerte ihm das Aufenthaltsrecht.

Lange Schatten der Vergangenheit

Nach längerer Suche fand er endlich eine Arbeitsstelle bei einem Schreiner in Nußdorf am Inn.

Obwohl er erliche und gute Arbeit leistete, holte ihn die Vergangenheit wieder ein. Ein ansässiger Gendarm sorgte dafür, dass seine ehemaligen Verbrechen überall im Ort bekannt wurden. Aus Rücksicht auf seinen Betrieb, blieb seinem Meister keine andere Wahl, als ihn zu entlassen. Mit einem ausgezeichneten Zeugnis fand er in Allach eine neue Stelle, aber vom Pech verfolgt, gelang es ihm nicht, einer geregelten Arbeit nachzugehen.

Der Anfang vom Ende

Um mit seiner großen Liebe Mathilde in Amerika, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, ein neues Leben beginnen zu können, ließ er sich von einem Bekannten überreden einen Pfarrhof in Niederbayern zu überfallen, da dort 50.000 Mark gefahrlos zu holen seien. Da sich das als schwieriger als erwartet erwies, überfielen sie ersatzweise ein bäuerliches Anwesen in Oberbirnbach.

Der erste Verrat

Da sein Komplize von der Polizei als Prostituiertenmörder verdächtigt wurde, gestand dieser an dem Raubzug in Niederbayern beteiligt gewesen zu sein und belastete auch Mathias schwer. Daher wurde eine Belohnung in Höhe von 400 Mark auf die Ergreifung von Mathias Kneißl ausgesetzt.

Die Hetzjagd beginnt...

Daraufhin versteckt er sich in den Wäldern zwischen Altomünster und Nannhofen. Bei einem Festnahmeversuch am 30. November 1900 in Irchenbrunn, abermals durch einen Verrat ermöglicht, kam es zu einem Schusswechsel, bei dem zwei Polizisten so schwer verletzt wurden, dass sie später starben. Jetzt wurde die Belohnung für die Ergreifung des Polizistenmörders von 400 auf 1.000 Mark erhöht. Prinzregent Luitpoldhöchstpersönlich ließ sich täglich über den Fortschritt der eingeleiten Großfahndung unterrichten.

Die Festnahme

Nach drei Monaten Flucht konnte die Polizei ihn mit Hilfe von Kneißls Freundin Mathilde und deren Mutter in seinem Versteck ausfindig machen. Im März 1901 wurde er im Aumacheranwesen in Geisenhofen von 60 Polizisten gestellt und zwei Tage lang belagert. Diese beschossen das Haus 30 Minuten lang, wobei Kneißl schwer verletzt wurde.

Zuagricht, hergricht, higricht! sagte der Volksmund

Denn er wurde in München in der Uniklinik operiert und ein gutes halbes Jahr später zum Tode verurteilt. Der Ablauf des Gerichtsverfahrens und das Urteil selbst waren heftig umstritten.

Die Hinrichtung

Am 21. Februar 1902 wurde Mathias Kneißl kurz nach sieben Uhr in Augsburg durch das Fallbeil hingerichtet.

Er findet keine Ruhe...

Die Mutter kauft die Leiche ihres Sohnes für 60 Mark frei, um ihn auf dem katholischen Friedhof in Augsburg bestatten zu lassen. Sein Kopf allerdings war bis zum Sommer 1944 in der Münchner Anatomie, ist seit einem Bombenangriff jedoch verschollen.

Die Legende lebt

Schon zu Lebzeiten war Mathias Kneißl eine Kultperson. Durch seinen gewaltsamen Tod wurde er aber erst Recht zum Volkhelden. Das Volk sah in seinem räuberischen Leben etwas Revolutionäres, da er sich scheinbar gegen die Obrigkeit auflehnte. Er galt als ungerecht behandelter Einzelkämpfer, der wie Robin Hood, den Goßen nahm und den Kleinen gab. Die Legende wird noch lange Leben, da es über ihn nicht nur zahlreiche Gedichte und Lieder, wie die Kneißl-Moritat gibt:

I bi vo Weikatshofa,
I sag's ganz unscheniert,
Mei Vata war a Müller,
da Paschkoliniwirt.
Mei Muatta war a Zweigerl
vom Paschkolini-Kern,
Sie liabt bis heut no allerweil
die junga Burschn gern.

Filmplakat Räuber KneißlErst am 21. August 2008 kam der neueste Film mit dem Titel Räuber Kneißl vom bayerischen Regisseur Marcus H. Rosenmüller in die deutschen Kinos. Weitere Filme und Theaterstücke halten die Legende am Leben. Seit 1991 ist eine Oldtimer-Rallye Räuber-Kneißl-Classics nach ihm benannt.

 

Quellen:

Der Räuber und Wildschütz Mathias Kneißl, aus dem Traunsteiner Tagblatt

Mathias Kneißl aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

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